Der HP als Garant im Markt der Therapien (Blog)

In der Diskussion über die anstehende Ergänzung des Heilpraktikerrechts und der Veröffentlichung der neuen Leitlinien bis spätestens zum 31.12.2017, wird durch die Publizierung einer Streitschrift von 17 Professoren u. Akademikern (teilweise auch Ärzten, aber keinen Heilpraktikern) mit Logo und dem public-relations fördernden Kunstnamen „Münsteraner Kreis“, die Abschaffung des Heilpraktikers gefordert bzw. eine grundlegende Reform, welche dann nur sektorale Zulassungen erlaubt.

Gefordert werden auch von Heilpraktikeranwärtern ein vorher abgeschlossenes Studium bzw. eine staatlich-geprüfte Berufsausbildung im Gesundheitssektor.

Gutachten zur Situation des Heilpraktikers: Die Basis für eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema

Um der Diskussion den richtigen Rahmen zu geben, empfehle ich vor der Lektüre der Streitschrift das Gutachten von Rechtsanwalt Dr. Rene Sasse. Er beschreibt in kurzer Form:

  • die Rechten u. Pflichten von Heilpraktikern (HP).
  • warum bei so vielen verschiedene Berufen und Gesundheitsdienstleistern, die HP Erlaubnis als Grundlage zur Berufsausübung nötig ist.
  • die Vorteile und politischen Hintergründe, warum die verschiedenen Therapien, die von Heilpraktikern angeboten werden, nicht staatlich kontrolliert werden.

Dazu muss festgehalten werden:

Heilpraktiker praktizieren schon heute unter den gleichen rechtlichen Anforderungen wie Ärzte in Bezug auf Hygiene, Patientendokumentation, Patientenaufklärung, Patientenkommunikation und Praxiseinrichtungskontrolle durch die Gesundheitsämter.

Anmerkungen zum „Herz OP“-Argument

Die Wahl der Therapie bei Heilpraktikern ist durch die Verbote im Heilpraktikergesetz klar eingeschränkt. Der Heilpraktiker hat wie der Arzt eine Sorgfaltspflicht. Das Argument, daß dem HP eine Herz OP erlaubt ist, solange er einen Anästhesiearzt hinzuzieht, ist ein alter (und falscher) Hut.

Der Heilpraktiker und auch der Arzt haben die Pflicht, nur Therapien anzubieten und auszuführen, für die sie ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen. Für den HP der eine Herz OP anbieten will, heißt dies quasi das Absolvieren eines Medizinstudiums. Eine persönlich erforderliche Investition, die sich vom zeitlichen und finanziellen Aufwand schon verbietet.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist diese Argument an den Haaren herbeigezogen. Es gibt keinen Markt für einen Heilpraktiker, der eine Herz OP anbieten möchte.

„It’s innovation, stupid“ – Der HP hilft mit der neuen Flut an Therapiemöglichkeiten umzugehen

Der HP hat in Europa eine einzigartige Stellung, die dem deutschen Gesundheitsmarkt hilft, das Angebot von medizinischen Dienstleistungen über die Arbeitserlaubnis zu regeln.

Dies verhindert schon jetzt einen Wildwuchs aus quasi-medizinischen Dienstleistungen von unterschiedlichen Firmen und Freiberuflern, welche die Grenzen von Diagnose u. Therapie verwischen.

Der Markt für diese Dienstleistungen und das Angebot an Therapien (und aus Marketinggründen unterschiedlich beworbener Angebote) wird in Zukunft noch schneller wachsen.

Mit der Abschaffung des HPs wird dieser prosperierende Markt in einer Grauzone weiter wachsen. Das Heilprakitkergesetz, wie es jetzt steht, wird helfen diese Flut an Therapien in einem rechtlich gesicherten Rahmen, den Patienten zugänglich zu machen.

Die Ärzteschaft bzw. der Gesundheitsektor hat gar nicht die Personalresourcen für die Masse an neuen Therapieformen.

Genauso wie in den letzten Jahren Kosmetiker/innen die HP Erlaubnis nutzen, um Laserentfernung von Tätowierungen oder eine kosmetische Behandlung mit rezept-freien Injektionen anzubieten, werden sich weitere Geschäftsfelder auftun.

Der Verteuerungstrend von Therapien – Nutzen & Kosten volkswirtschaftlich betrachtet

Mit der Forderung, daß ein (konventioneller) Gesundheitsberuf wie Krankenschwester, Physiotherapeut oder Masseur als Grundlage für die HP Erlaubnis da sein muss, werden von diesen etablierten Berufsfeldern Kandidaten abwandern. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das eine Resourcenverschwendung. Denn das jetzige Verfahren garantiert ein ausreichendes Grundlagenwissen zum Zeitpunkt der Prüfung, welches dem HP dann erlaubt in die Weiterbildung für das gewünschte Therapieangebot Zeit und Geld zu investieren.

Mehr Vorbedingungen bedeuten das Anhäufen von kostspieligen Doppelqualifikationen, die dann bei der eigentlichen Ausführung der Behandlung keine Rolle mehr spielen. Die Kosten dieser Doppelqualifikation führen nicht zu einer besseren Behandlung bzw. sicheren Therapieanwendung, sondern eher zu einem Anstieg der Preise, die Patienten und bei krankenkassen-finanzierten Angeboten die Gemeinschaft der Mitglieder für eine Therapiestunde bezahlen müssen.

Die Forderung nach immer höheren Qualifikationen für Therapien, die sich seit Jahrhunderten bewehrt haben, und ganz konkret bei Therapien wie der Akupunktur, wo z.B. ein konventionelles Medizinstudium ein zuviel an nicht-ausführungsrelevanten Wissen bedeutet, verteuern den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen wie Chinesische Medizin.

Schlussendlich sind, um das am Beispiel der Akupunktur festzumachen, das Wissen über die Theorie der Chinesischen Medizin, das praktische Training und die dann über Jahre eigenständig erarbeitete klinische Erfahrung ausschlaggebend und nicht der auch aus volkswirtschaftlicher Sicht teure Medizinstudiengang des Behandlers.

Klinische Erfahrung heisst nämlich hier die Erfahrung in der Behandlung mit Akupunktur und nicht die Erfahrung mit der Behandlung durch pharmazie-gestützte Medizin.

Der Gegenvorschlag: Zentrales Register aller Einverständniserklärungen der Patienten

Wenn die Ärzteschaft sich Gedanken über die Unvereinbarkeit oder ein erhöhtes Riskio von Therapien macht, dann ist es sinnvoller, ein zentrales Register für Einverständniserklärungen zu fordern.

In diesem Register sollten für jeden Patienten, seine jeweilige Einverständnis und deren Aufklärungsbogen registriert werden. Damit lässt sich dann – mit Einverständnis des Patienten – ersehen, welche Therapien wann und wo eingesetzt wurden.

Dieses Register sollte alle Einverständniserklärungen sammeln irrespektive ob von Ärzten, Heilpraktikern oder anderen Gesundheitsdienstleistern, bei denen eine schriftliche Einverständnis zu Grunde liegen muss.

Das Register musss alle Therapiearten beinhalten. Ob ärztlich angeboten, evidenz-basiert, naturheilkundlich oder spirituell sowie auch solche, die als „esoterische“ Behandlungen gelten.

Erst mit so einem Register kann die Ärzteschaft in vollem Umfang ermessen, welche weitere evidenz-basierte Zuwendung oder Beratung für den Patienten von Vorteil ist.

Ein Zusatzeffekt: Neu auf den Markt kommende Therapien können nun besser beobachtet werden. Falls dann Regulierungsbedarf besteht, hat man eine Grundlage, wie viele Patienten und Anbieter es betrifft.

Quellen:
Kurzgutachen von RA Dr. Rene Sasse über die Situaton des HPs
Die Streitschrift des Münsteraner Kreises

 

Ein Akupunkturprotokoll für Schmerzen nach Zahnimplantate OP (Blog)

Hier ist ein Behandlungsprotokoll von einem Fallstudie in dem Journal of Acupuncture and Meridian Studies  über eine 56 jährige Patientin, die nach einer Zahnimplantation der Zähne 36 und 37 Schmerzen und Taubheit im Unterkiefer bekam.

Die Region der Taubheit ging von der Unterlippe bis auf Höhe von Zahn 36. Der Schmerz befand sich in der Region des Zahnes 35 (der Einstichstelle für die Betäubung).

Lokale und ferne Akupunkturpunkte für Schmerzen nach einer Implantations OP

Die Patientin bekam 1 x wöchentlich über 4 Monate (insgesamt 16 Behandlungen).

Folgende Punkte wurden genadelt:
Di 4, Di 11, Ma 36, Le 3, Ma 5 und EHN 18 (Extrapunkt 1 Cun von Ren 24)

  • Di 4 und Di 11 wurden für ihre entzündungshemmende Wirkung auf das Gesicht gewählt.
  • Ma 36 wurde aus konstitutionellen Gründen gewählt.
  • Le3 hat eine Fernwirkung auf den Kopf.
  • Ma 5 und EHN 18 sind lokale Punkte.

Reduzierung der Schmerzen, der Taubheitsgefühle und der Taubheitsregion mit Akupunktur

Die Schmerzen waren um 50% nach der ersten Sitzung zurückgegangen und nach der 5 Sitzung ganz beseitigt.

Die Taubheitsgefühle liessen sich nach der ersten Sitzung um 70% reduzieren, nach der 13. Sitzung waren sie um 95% reduziert.

Nach der 10. Behandlung hatte sich der Taubheitsbereich stark verkleinert. Der verkleinerte Bereich veränderte sich dann nicht mehr und war auch beim Checkup nach 12 Monaten noch vorhanden.

Quelle: Crischina Branco Marques Sant’Anna‘ et.a.: Effect of Acupuncture on Post-implant Paresthesia: JAMS April 2017 Volume 10, Issue 2, Pages 131–134

Open Access:
DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.jams.2017.01.004
Direkter Link

Ein Behandlungsprotokoll mit Akupunktur und Moxa bei Reizdarmsyndrom mit Durchfällen (IBS-D, ICD-10 K58.0) – (Blog)

Dieser Vorschlag eines Behandlungsprotokolls wurde nach den STRICTA Richtlinien erstellt und ist somit um einiges präziser als viele andere Studien in Bezug auf die Akupunkturtechnik. Die STRICTA Empfehlungen verlangen genaue Angaben in Bezug auf die Ausführung der Akupunktur: Welche Nadeln, welche Technik, Reihenfolge des Nadelns, Verweildauer etc.

Die Daegfa hat damals (2001) die Tabellen übersetzt und kommentiert. Inzwischen (seit 2010) ist STRICTA nun eine offizielle Ergänzungen zu CONSORT, den allgemeinen Richtlinien für die Berichterstattung bei randomisierten, kontrollierten Studien / Versuchen.

Offizielle STRICTA Übersetzungen gibt es ins Chinesische, Koreanische und Russische.

Allgemeines zum Behandlungsprotokoll für das Reizdarmsysndrom (RDS)

Die Versuchsreihe für das vorgeschlagene Protokoll beinhaltet 3 Gruppen:

  1. Ein festglegtes Protokoll von 14 Nadeln
  2. Eine Basisbehandlung mit 2 zusätzlich auswählbaren Punkten (max 14 Nadeln)
  3. Sham Akupunktur: Nadelstichtiefe nur 2 bis 3 mm unter die Haut und Punkt in abgestimmter Entfernung zu den eigentlichen Akupunkturpunkten

NB. Wichtig bei der Sham Akupunktur zu erwähnen ist, dass Stephen Birch klar herausgearbeitet hat, dass Sham Akupunktur kein Placebo darstellt, und dass somit in solchen Versuchsreihen einfach 2 unterschiedliche Akupunkturstile verglichen werden.

Alle Patienten wurden 12 x behandelt:

  • 2 x die Woche über 4 Wochen danach 1 x die Woche über 4 Wochen
  • Die Behandler entschieden nach ihrem Ermessen welchen Punkte tonisierend und welche ausleitend genadelt wurden.

NB. In der Veröffentlichung vertauschen die Autoren, die Atemtechnik beim tonisierenden und ausleitenden Nadeln. Standard TCM Lehrbücher über Nadeltechnik berichten übereinstimmend. Der Patient sollte beim tonisierenden Nadeln ausatmen, wenn die Nadel gestochen wird und einatmen beim rausziehen. Das Atmen beim ausleitenden Nadel erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.

Die Stichtiefe bei der Verum Akupunktur ist nicht angegeben, sollte aber den Standard TCM Textbüchern entsprechen (0.5 bis 1.5 Cun).

Patienten werden zuerst auf dem Rücken liegend genadelt. Nach 15 Minuten werden die Nadeln gezogen und dann erfolgt die Moxibustion mit bis zu 2 Minuten und im Uhrzeigersinn kreisend pro Punkt . Die Entfernung der Moxazigarre von der Haut ist mit 2 bis 3 cm angeben.

Für die Rückenpunkte wird der Patient dann in Bauchposition genadelt und gemoxt.

Standard Behandlungsprotokoll beim Reizdarmsyndrom mit Durchfall

Ren 6, Ren 12, Ma 25, Mi 4, Bl 18, Bl 20, Bl 23, Bl 25 mit Akupunktur und Moxibustion

Mi 4 und Bl 18 nur Akupunktur

Das individualisierte Behandlungsprotokoll

Ren 6, Ren 12, Ma 25, Bl 23, Bl 25 + mindesten 2 bis 6 weitere Punkten aus der Liste, die zur Behandlung der folgenden TCM Syndrome hinzugenommen werden:

    • Milz und Mage Qi Leere
    • Milz Qi Leere mit Feuchtigkeit
    • Milz Yang Leere
    • Nieren Yang Leere
    • Leber Qi Stagnation
    • Eingeschlossene kalte Feuchtigkeit
    • Eingeschlossene feuchte Hitze
    • Verdauungsträgheit (Retention of food)

Die dazugehörigen Punkte sind in Tabelle 1 angegeben.

Sham Akupunktur / Sham Moxa Protokoll

Die Punkte für die Sham Akupunktur liegen 2 bis 3 cm entfernt von den echten Punkten und befinden sich nicht auf einer Leitbahn.

Zur Sham Moxibustion wird die Moxazigarre 20 cm über den Körper und die Sham Punkte gehalten.

Quellen:

Anastasi, Joyce K. et al. Development of Acupuncture and Moxibustion Protocol in a Clinical Trial for Irritable Bowel Syndrome Journal of Acupuncture and Meridian Studies , Volume 10 , Issue 1 , 62 – 66   Direkter Link

MacPherson H, Altman DG, Hammerschlag R, Youping L, Taixiang W, White A, Moher D. Revised STandards for Reporting Interventions in Clinical Trials of Acupuncture (STRICTA): Extending the CONSORT Statement. PLoS Med 2010; 7(6): e1000261. doi:10.1371/journal.pmed.1000261    Direkter Link

CONSORT Guidelines:  Direkter Link

Der Eintrag auf der DÄGFA Webseite:  Direkter Link

Bücher:

Prof. Chang Xiaorong: Needling Techniques for Acupuncturists, Singing Dragon, 2011

Liu Yuan: Nadelstichtechniken in der Akupunktur, Urban & Fischer, 2006

Ein Akupunktur- und Tuina-protokoll zur Behandlung von Regelschmerzen – Dysmenorrhoe (Blog)

Hier ein Beispiel an Behandlungsprokollen für die Behandlung von Zyklusbeschwerden bei derAkupunktur (nach der TCM) und Tuina kombiniert worden sind.

Die 60 Teilnehmmerinnen an der Studien waren Frauen im Alter von 14 bis 29 Jahren (Durchschnittsalter 21 Jahre u. 5 Monate)

Vorweg sei zu sagen, daß diese Veröffentlichung (für den englischsprachigen Raum) viele Informationen weglässt und aus Sicht der wissenschaftlichen Forschung zu den (chinesischen) Publikationen gehört, die stark kritisiert werden.

Folgende Merkmale wiegen zunächst negativ:

  • Beteiligung von minderjährigen Patientinnen
  • Sehr hohe Erfolgsraten in der Testgruppe, sowie der Kontrollgruppe
  • Veröffentlichung entspricht nicht den heutigen (2017) Maßtäben der wissenschaftlichen Berichterstattung von Studien

Doch wenden wir uns nun den eigentlichen Roh-diamanten zu dem Behandlungsprotokoll:

Akupunktur u. Tuina der Testgruppe

Benutzte Akupunkturpunkte waren zunächst: Bl40, Du26, Du3.

Zusätzliche wurden die Patientinnen drei unterschiedliche TCM Syndrommustern zugeordnet:

  1. Mit Qi Stagnation und Blut Stase: Ren3, Ren6, Mi6, Le2 und Mi 10
  2. Stagnation durch pathogene Kälte: Ren4, Bl20, Bl23
  3. Leere von der Zang Leber und Niere:  Du4, Ren4, Bl23,Ni12 und Ma36

Das Tuina Behandlungsprotokoll

Auf dem Bauch liegend:

3 Min Gun Fa zur Entspannung der paravertebralen Muskulatur
3 Min Yi Zhe Chang um die innere Blasenleitbahn zu behandeln

Auf der Seite liegend mit 90 Grad angewinkelten Beinen:

An Rou mit dem Ellbogen von der oberen Schulterblatthälfte entlang über die Ansätze der 12 Rippe an der Wirbelsäule.

Folgende Stellen wurden behandelt: T3,5,7,9 und L1,3,5 jeweils 2 Cun über den Wirbelfortsätzen.

Die Druckkraft sollte noch von der Patientin tolerierbar gewesen sein. Jeder Punkt wurde 30 mal behandelt und dann kam ein zweiter Durchgang. Beide Seiten links und rechts der Wirbelsäule wurden behandelt.

Dann wieder auf dem Bauch liegend:

Nie mit dem Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger auf der Wirbelsäule (in der Studie fehlt die Anweisung ob dieser Handgriff parallel oder im 180 Grad Winkel zur WS angewandt wird).

Behandlung des unteren Rücken:

Tan Bo und Tui im unteren Lendelwirbelbereich

Akupunktur für die Kontrollgruppe

Akupunktur: Ren6, Mi8, Mi6
Moxibustion: Ren4, Ma36, Bl20 und Bl23

Die Behandlungsdauer lief über 3 Monate mit jeweils 7 aufeinanderfolgenden Behandlung pro Monat. Die erste Behandlung erfolgte 1 Woche vor Eintreten der Menstruation.

Kommentar: Die Umschreibungen im Englischen sind aufgrund der Übersetzung vom Chinesischen ins Englische bzw. aufgrund der Englishkenntnisse der Autoren nicht eindeutig einigen Techniken zuzuordnen.  Hier habe ich den aus meiner Sicht dazupassenden technischen Begriff gewählt.

Quelle: J Tradit Chin Med. 2008 Mar;28(1):7-9.
Acupuncture combined with spinal tui na for treatment of primary dysmenorrhea in 30 cases.

Science Direct von Elsevier: Direkter Link

Ein Akupunkturprotokoll für die Behandlung direkt vor & nach dem Embryotransfer (Blog)

Hier ein Behandlungsprotokoll für eine Studie an deren Vorschlag Jane Lyttleton mitgearbeitet hat. Jane Lyttleton ist die Autorin des Buches „Fertilitätsstörungen behandeln mit chinesischer Medizin“ aus dem Elsevier Verlag. Die englische Version gibt es in einer zweiten (verbesserten) Auflage.

Die Erstanamnese für die Akupunkturbehandlung und die erste Behandlung wird zwischen dem 6. und 8. Tag der Stimulanzperiode für den IVF Zyklus durchgeführt. Sie dauert zwischen 60 und 90 Minuten. Zusätzlich kommen noch 2 weitere Behandlungen: Eine direkt vor dem Embroytransfertermin und die andere gleich danach.

Vorbehandlung mit Erstanamnese

Folgende Punkte werden immer mit genadelt: Ma29, Ren4, Ren6, Mi6 und Mi10. Dazu kommen noch bis zu 5 weitere Punkte, die sich aus der TCM Diagnose ergeben. Alle Punkte (außer Ren und Du Mai Punkte und Yin Tang) werden bilateral genadelt.

Das Protokoll für die Behandlung am Tag des Embryotransfer

Bei den Punkten für die Behandlung vor dem ET (Embryotransfer) gibt es folgende Auswahl: Mi8, Mi10, Le3, Ren4 Dazu kommt einer von folgenden Punkten: He7, Pc6, Yin Tang, sowie weiterhin: Du20, Ni3, Ma36, Mi 6 und die Ohrakupunkturpunkte Shenmen und Zhigong

Die Nadeltechnik ist durch die Nutzung des ‚Park Sham‘ Einführungsröhrchen vorgegeben: Nadeln werden vertikal zur Hautoberfläche bis zu 2 cm tief eingeführt. Für die Behandlung vor dem ET ist ein ‚de qi‘ Gefühl erwünscht und wird manuell stimuliert.

Bei der Behandlung nach dem ET wird kein ‚de qi‘ manuell provoziert. Leider geht aus der Beschreibung nicht hervor, welche Punkte für die Behandlung nach dem ET benutzt werden. Meine Vermutung ist, daß die gleichen Punkte wie in der Behandlung vor dem Transfer genommen werden, ohne das ‚de qi‘ explizit zu stimulieren.

Vermutung ist, daß die gleichen Punkte wie in der Behandlung vor dem Transfer genommen werden, ohne das ‚de qi‘ explizit zu stimulieren.

Die Nadeln bleiben für 25 Minuten in situ.

Die Kontrollgruppe (Placebo control)

Kurze Anmerkung: Stephen Birch hat in einer Veröffentlichung in dem Buch ‚Evidence-based Research Methods for Chinese Medicine‚ von 2016 noch einmal klar dargestellt, warum die sog. Sham Akupunktur eigentlich keine Placebo Kontrollfunktion in klinischen Studien darstellt.

Diese Studie umgeht das Problem mit der Einführung einer 3. Kontrollgruppe, welche gar keine Akupunktur erhält. Die 3. Kontrollgruppe hat aber keine randomisierte Zuweisung. Sie besteht aus Teilnehmerinnen, die die Behandlung mit Akupunktur nicht erüwnschen, aber an der Studie für die Datenerfassung teilnehmen.

Quellenangaben:

Title der Publikation:
Acupuncture to improve live birth rates for women undergoing in vitro fertilization: a protocol for a randomized controlled trial

Im Internet: Trials201213:60 DOI: 10.1186/1745-6215-13-60

Biomed Central: Direkter Link

 

Akupunktur bei Patienten mit Blutverdünnern-Antikoagulantien-Gerinnnungshemmern (Blog)

Es folge eine Übersetzung der Zusammenfassung (Abstract) der Studie:

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Einleitung:

Aus theoretischer Sicht kann Akupunktur bei Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen, das Risiko einer Blutung beim Rausziehen der Nadeln verstärken. Die Ergebnisse welche genaue Angaben zu diesem Risiko machen, wurden noch nicht systematisch untersucht.

Ziel der Studie:

Die Angaben zur Sicherheit von Akupunktur bei Patienten, die Blutverdünner nehmen, zu bewerten.

Untersuchungsmethode:

Online Reccherche von PubMed, EMBASE, der ‚Physiotherapy Evidence Database‘, und Google Scholar.

Ergebnisse:

Von 39 potentiell relevante Literaturstellen haben 11 Veröffentlichungen die Untersuchungskriterien erfüllt: 2 sind randomisierte Versuchsreihen, 4 dokumentierte Patienten Serien und 5 Einzelfall-berichte. 7 Publikationen beinhalteten genügend Information, um Aussagen über die Sicherheit von Akupunktur bei 384 Patienten, die gleichzeitig Blutverdünner einnahmen, zusammenzuführen (bei 3974 Behandlungen insgesamt). Einen geringen-bis moderaten Blutungs-zwischenfall gab es (nur) in einem Fall: Ein großes Hämatom and der Hüfte. Dies wurde durch die Gabe von Vitamin K Reversierung und der Unterbrechung der Einnahme des Blutverdünners Warfarin behandelt.

Ein lokale Punkt-Blutung, welche typische für jede Nadelung sein kann und typsich für jede Injektion ist, wurde mit dem Aufdrücken eines Tupfers behandelt. Dies kam in 51 von 350 Behandlungen (14,6%) bei einer Behandlungsserie von 229 Patienten.

Blutungszwischenfälle waren weniger der (oberflächlichen) Akupunktur zuzuordnen, sondern eher das Ergebniss von sehr tiefen Nadeltechniken und der daraus resultierenden Gewebeverletzung oder einer komplexen Zusammensetzung der Medikation von verschiedenen Blutverdünnern. Diese Art von Zwischenfällen kamen bei 5 Patienten vor.

Keine Zwischenfälle gab es in 2 Studien (mit 74 Patienten). Das waren ein Fallbericht und ein randomisierter Versuch. Beide haben explizit Nachblutungen bei der Akupunktur überwacht. Insgesamt gab es somit nur einen moderaten Zwischenfall aufgrund einer Nachblutung bei 3974 Behandlungen (0.003%)

Schlussfolgerung:

Akupunktur erscheint als sichere Behandlungsmethode bei Patienten mit Blutverdünnern, wenn den Umständen entsprechend, die Nadeltechnik, die Körperstelle und Nadelungstiefe den Umständen angepasst ist. Die Zwischenfallrate von 0.003% ist niedriger als die bisher veröffentlichte Rate von 12,3%. Diese Ergebnisse stammt aus einen randomisierten Versuch von Akupunktur bei Patientnen nach Knie- oder Hüft-operationen (27,360 Patienten mit Blutverdünnern behandelt). Die Zwischenfallrate ist auch niedriger als die 6%, die aus einer größeren Studie von 229,230 Patienten (teilweis mit und ohne Blutverdünner behandelt). Weitere Versuchsreihen würden helfen, das niedriegere Ergebnisse zu evaluieren.
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Quellenangaben:

Titel der Studie:
Acupuncture safety in patients receiving anticoagulants: a systematic review

Internet: Perm J. 2015 Winter;19(1):68-73. doi: 10.7812/TPP/14-057 Epub 2014 Nov 24.

PubMed Datenbank: Direkter Link

Kniearthrose: Moxibustion vs. Diclofenac (Blog)

Folgendes Moxibustions Protokoll wird für Kniearthrose vorgeschlagen:

  • Standardakupunktur punkte: Ma 35, Ma 36 und EX-LE4
  • Entfernung des brennenden Moxa vom Punkt 1 cm
  • Moxabrenndauer ca. 30 min insgesamt
  • Alle 3 Punkte wurden individuell gleichzeitig gemoxt.

Insgesamt gibt es 3 Sitzungen pro Woche über 4 Wochen (12 Behandlungen).  Die Lagerung des Patienten erfolgt nach Wunsch. Der Patient liegt oder wird gemoxt.

Blog Kommentar:
Praktische Ausführung aufgrund der langen Behandlungsdauer muss mit Moxabox erfolgen (für Ma 35 und EX-LE4) und dann einer zweiten Moxabox bzw. einem Moxazigarrenhalter für Ma 36.

Quellenangaben:

Titel der Studie:
Moxibustion versus diclofenac sodium gel for the treatment of knee osteoarthritis: a study protocol for a double-blinded, double-placebo, randomised controlled trial

Internet:  BMJ Open. 2017 Apr 12;7(4):e012879. doi: 10.1136/bmjopen-2016-012879

Chinesische Medizin & konventionelle Medizin auf einem Flur im Krankenhaus (Blog)

In einem Feature des Deutschlandfunk Kultur über die Naturheilkunde fand ich folgende, ermutigende Beobachtung:

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Matthias Hanselmann (DLF Kultur Moderaror): Sie haben sich auch immer wieder vor Ort fortgebildet. China und Indien sind ja die klassischen Länder für bestimmmte Richtungen von Medizin.

Andreas Michalsen: Beide Länder sind sehr beeindruckend. In China hab ich gelernt: Die Chinesen sind was das Integrieren also was die Kombination von Naturheilkunde und Schulmedizin anbelangt weit, weit voraus.

Also das ist gang und gebe, dass in jedem grossen Krankenhaus auf der einen Seite im Flur die schulmedizinische Abteilung z.B. die Magen -, Darm-, Gastro-enterologie Abteilung ist, auf der anderen Seite ist dann die TCM, wo mit Akupunktur, mit Taiji oder mit Kräutern gearbeitet wird.

Die haben das bereits geschafft. Also Traditionelle Chinesische Medizin in enger Verbindung. Also das Beste von beiden kombinieren.
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Der Kardiologe u. Internist Andreas Michalsen, Chefarzt , Chefarzt der Abteilung „Naturheilkunde“ am Berliner Immanuelkrankenhaus im Gespräch beim Deutschlandfunk Kultur vom 31.5.2017

Quelle:

Name des Beitrags: Blutegel, Aderlass & Co. – Die Heilkraft der Natur

Zeitstelle: ca. 16.12 Minuten nach Beginn der Sendung

Deutschlandfunk Kultur: Direkter Link

Kniearthrose und das Bi Syndrom in der Chinesischen Medizin (Blog)

Bi – Syndrom Behandlungsprotokoll für leichte bis mittlere Fälle von Kniearthrose (engl. Osteoarthritis)

Die beiden folgenden Protokolle sind für eine Studie, die die Wirkung der Akupunktur nach der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) mit der Wirkung einer minimalen Akupunktur (MA) vergeleicht.

Behandlungsprotokoll der Verum Akupunktur – Kniearthrose

Das Behandlungspotokoll sieht eine 20-minütige Behandlung 3x die Woche über 8 Wochen vor (24 Sitzungen insgesamt). Die Akupunkturnadeln sind entweder 0.30×25 mm oder 0.30×40 mm.

Die Akupunkturpunkte werden nach der Bi Syndrom Theorie der Traditionelllen Chinesischen Medizin (TCM) ausgesucht. Zu dieser Kategorie gehören 10 lokale Punkte Ma34, Ma35, Ma36, EX-LE2, EX-LE5, Gb33, Gb34, Mi9, Mi10, Le8) und 11 distale Punkte Gb31, Gb36, Gb39, Gb41, Ma40, Ma41, Le3, Bl60, Mi6, Ni3, Di4).

Behandler wählen zwischen 5 bis 6 lokalen und 3 bis 4 distalen Punkten. Behandler sollen die sog. ‘De Qi’ Reaktion mit entsprechender Nadeltechnik produzieren. Weiterhin werden die Nadeln dann für mindestens 10 Sekunden manuell stimuliert.

Die Minimalakupunktur der Kontrollgruppe (Sham Akupunktur)

Nicht-Akupunkturpunkte werden nur oberflächlich genadelt (2 mm Stichtiefe). Es erfolgt keine manuelle Stimulation bzw. Manipulation zum Erlangen des ‚De Qi‘.

Folgende Punkte wurden ausgewählt. Es gab keine Wahlmöglichkeiten:

MP1 – Auf der ulnaren Seite des Vorderarms, In der Mitte der Verbinundungslinie zwischen der Handgelenkszwischenfalte und dem Condylus medialis humeri
MP2 – 2 cun über dem lateralen Malleolus zwischen der Gallenblasen Leitbahn und der Magen Leitbahn auf der distalen Seite der Fibula
MP3 –  2 cun über dem medialen Malleolus, im Zentrum der Tibia (Nadelung ohne Kontakt mit dem Periost in die Richtung des Knies)
MP4 –  Auf halber Strecke der Linie die Ma36 und Gb34 verbindet
MP5 – 6 cun oberhalb der oberen Patellekante (zwischen der Milz und Magen Leitbahn)
MP6 – 5 cun oberhalb der oberen Patellekante (zwischen der Milz und Magen Leitbahn)
MP7 – 4 cun oberhalb der oberen Patellekante (zwischen der Milz und Magen Leitbahn)
MP8 – 1 cun unterhalb des Kopfes der Tibia, auf der medialen Seite des Beines
MP9 – Auf halber Strecke der Linie die Gb40 and Ma41 verbindet
MP10 – 3 cun über dem Calcanaeus auf der medialen Seite des

MP = „Minimaler Punkt“ – eine Stelle, die nicht einem Akkupunkturpunkt in der TCM entrpricht.

Cun ist die relative Masseinheit für die Abmessug einer Strecke auf dem Körper des Patienten. 1 Cun entspricht nach einer gängen Definition der Breite des Daumens des Patienten.

Quellenangaben:

Titel der Studie:
Traditional Chinese acupuncture versus minimal acupuncture for mild-to-moderate knee osteoarthritis: a protocol for a randomised, controlled pilot trial

Internet: BMJ Open. 2016 Dec 13;6(12):e013830. doi: 10.1136/bmjopen-2016-013830

PubMed Datenbank: Direkter Link

Interdisziplinärer Ansatz

Krankheiten und Symptome betrachte ich nicht isoliert. Für eine dauerhafte Verbesserung der Gesundheit spreche ich mit meinen Patienten auch über ihre berufliche und familiäre Situation sowie Sport, Erholung und Freizeit.

Meine Patienten profitieren auch von einem Netzwerk von Kollegen, die sich auf andere Therapien spezialisiert haben wie:

  • Kräutertherapie mit der TCM
  • Ernährungsberatung nach der TCM
  • Shiatsu
  • Laborzentrierte Diagnose
  • Orthomolekulare Medizin
  • Hypnosetherapie
  • Entspannungs- und Bewegungsübungen auf Basis der TCM: Qigong, Taiji und Sundao