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Schröpfen in der Chinesischen Medizin (Blog)

Der Begriff Schröpfen hat im Deutschen eine weniger schöne Bedeutung, und wenn man sich die Schröpftechnik in der Chinesischen Medizin anschaut, sieht diese im ersten Moment auch nicht sehr appetitlich anders.

Ein bekanntes chinesisches Sprichwort sagt allerdings:

„Mit Akupunktur und Schröpfen kann man mehr als die Hälfte an Erkrankungen behandeln“

Im Gegensatz zur Akupunktur ist das Schröpfen weniger verbreitet, obwohl diese Technik bereits vor 3000 Jahren z.B. zur Behandlung von Tuberkulose angewendet wurde. Sowohl in der östlichen als auch in der westlichen Kultur hat sich das Schröpfen aus der schamanischen Praxis entwickelt, da Schamanen der Meinung sind, dass Krankheiten und Gebrechen aus dem Körper herausgezogen werden können.

Nachdem chinesische und frühere sowjetische Akupunkteure die Methode erforscht und deren Effektivität bestätigt haben, wurde Schröpfen in den 1950er Jahren als offizielle Therapiemethode in chinesischen Krankenhäusern eingeführt. Eingesetzt wurde Schröpfen allerdings schon vorher zur Unterstützung in der traditionellen chinesischen Praxis. Die Methode wurde auch in vielen anderen Kulturen eingesetzt, vom antiken Ägypten über Griechenland bis hin zu Indien. Schröpfen hat in den letzten Jahren im Westen an Beliebtheit zugenommen. Sogar Berühmtheiten, wie Gwyneth Paltrow, Schwimmer Michael Phelps, und Schauspieler*innen der Serie „Friends“ haben die Vorteile dieser chinesischen Schröpfmethode ins öffentliche Bewusstsein gebracht.

Was ist Schröpfen?

Schröpfen in Europa ist eine Technik zur Ab- und Ausleitung im Bereich der Humoralpathologie (Krankheitslehre von den Körpersäften).

Die verschiedenen Techniken sind:

• Statisches Schröpfen, sog. „trockenes Schröpfen“
• Schröpfkopfmassage
• Blitz-Schröpfen
• Blutiges Schröpfen
• Nadelschröpfen
• Moxa-Schröpfen
• Wasser-Schröpfen
• Schröpfen mit maschinell-erzeugtem Unterdruck

Beim Schröpfen gibt es drei Varianten von Gläsern:

  1. Schröpfgläser: Glasholkugeln mit großer Öffnung
  2. Vakuumgefäße: Aus Glas oder klarsichtigem Plastik mit Gummiballon (mit oder ohne Ventil) oder einer Vakuumpumpe (optional mit Magnetstäben)
  3. Sonstige Gefäße: Becher aus Ton oder einfache Glasgefäße (z.B. Einmachglas), präparierte Segmente aus Bambusrohr oder Ziegenhörner (insb. im ländlichen Afrika)

Glasschröpfköpfe sind der Klassiker in der Chinesischen Medizin. Weitere Techniken zum Ausleiten neben Schröpfen sind Aderlass, Braunscheidtieren und die Blutegelbehandlung.

Wie funktioniert Schröpfen?

Beim Schröpfen wird auf bestimmten Bereichen der Körperoberfläche ein regional begrenztes Vakuum erzeugt. Dieses Vakuum entsteht durch Erwärmung der Luft im Glas. Platziert man das Glas auf dem Körperteil, wird die Haut vom Vakuum angezogen. Man unterscheidet zwischen leichtem, mittlerem und starkem Schröpfen, je nachdem, wie viel Druck erzeugt wird. Das Glas wird entfernt, indem man eine Seite anhebt und Luft hineinlässt.

Wie wirkt Schröpfen?

Aus bio-medizinischer Sicht hat das Schröpfen verschiedene Effekte:

1. Reaktion der Haut:

Die Haut wird gedehnt, entspannt und gerötet. Der Patient empfindet dies als wohltuende Wärme.

2. Mechanische Effekte:

Durch Verschiebung von Gewebe gegeneinander Auflösung von Verklebungen und pathologischer Crosslinks. Diese pathologischen Querverbindungen in Bindegewebe und Faszien entstehen aufgrund längerer Ruhigstellung anpassungsbedingt gebildeter, wasserunlöslicher, struktureller Veränderungen, die die Beweglichkeit deutlich einschränken.

3. Durchblutungssteigerung:

Viele hautstimulierende Therapien bilden lokale Hämatome und lösen diese wieder auf. Damit werden Unterbrechungen und Stauungen im Blutfluss aufgelöst und entzündliche Blutergüsse in den Gefäßen verhindert.

4. Effekte auf das Nervensystem:

Experimente an der Kobe Universität in Japan haben bestätigt, dass Schröpfen die sensorischen Nerven der Haut stimuliert. Die Behandlung des Rückens beispielsweise hat Auswirkungen auf das autonome Nervensystem sowie auf die verschiedenen Organe, die seiner Kontrolle unterstehen.

5. Effekte auf das Immunsystem:

Studien ergaben, dass durch Schröpfen die Funktion der Schweiß- und Talgdrüsen und die Nährstoffzufuhr in der Haut verbessert wurden. Über den vermehrten Schweiß werden Toxine ausgeschieden. Außerdem wird die Zahl der roten und weißen Blutkörperchen erhöht und saures Blut wird neutral oder alkalisch.

Weitere Wirkungen:

• Aktivierung des Stoffwechsels in der Zelle.
• Anregung des Zuflusses von roten und weißen Blutkörperchen
• Verbesserung der Mikrozirkulation von Blut, Lymphe und interstitiellen Flüssigkeiten
• Ableitung eines lokalen pathologischen Lymphstaus
• Reduzierung des Tonus der darunterliegenden Muskulatur

Vergleichbar mit einer Tiefenmassage wird die Blutzirkulation angeregt, Faszien und verbundenes Gewebe gelockert.

Die Sichtweise der Chinesischen Medizin

Ganz allgemein formuliert kann man sagen, dass Energieblockaden beseitigt und der Qi-Fluss wieder angeregt werden sollen:

• Aktivierung von Akupunkturpunkten
• Beeinflussung und Regulation von Organen und Funktionskreisen durch die spezifische Reizung eines Akupunkturpunktes
• Lösen lokaler Stagnationen und Schmerzen
• Aktivierung der Zirkulation von Qi und Blut in den Leitbahnen/Meridianen
• Ein lokales Fülle-Syndrom (Energiestau) wird reduziert.
• Ausleiten pathogener Faktoren, v. A. Wind, Kälte und Feuchte, z.B. bei Erkältungskrankheiten.
• Zur Ausleitung von trübem Blut (lokales Stechen)

Beim Schröpfen können je nach Intensität der Ansaugung und Menge der Energieblockaden Hämatome und oberflächliche Wunden entstehen. Gemäß der TCM ist dies ein wünschenswertes Ergebnis. Man geht davon aus, dass damit Gifte und Blockaden erfolgreich entfernt wurden. Deshalb kann aus TCM-Sicht das Schröpfen auch für diagnostische Zwecke verwendet werden.

Schröpfen zur TCM-Diagnose

Je nach Patient und Körperteil hinterlässt das Schröpfen unterschiedliche Schröpfmarkierungen, die sich unterschiedlich lang halten.

Starke Schröpfmarkierungen sind ein Zeichen von Blut- und Qi-Stau:

• Durch die Qi-Stagnation zirkuliert das Blut weniger und kommt langsamer bei den Kapillaren an
Wind-Kälte-Feuchtigkeit hindert einen guten Blutfluss. Ansammlung von Feuchtigkeit oder Schleim: das Blut zirkuliert dadurch weniger gut und staut sich an.
Blut-Hitze: das Blut ist „kochend“ und bereit auszufließen

Entsprechend der Stelle dieser Schröpfmarkierungen kann man Rückschlüsse vom betroffenen Hautsegment auf das entsprechende Organ ziehen. Bei einer Erkältung beispielsweise sind Markierungen auf dem Bereich der Lunge nach mehreren Tagen noch erkennbar. Bei einer Milz-Schwäche sind sie auf dem Bereich der Milz zu sehen.

Wenige Schröpfmarkierungen hingegen sind erkennbar bei:

Blut-Schwäche: das Blut ist nicht in der Lage, an den Extremitäten oder an der Oberfläche kraftvoll zu fließen
Qi-Schwäche: es ist weniger Blut in der Peripherie vorhanden, was sich in Hautblässe zeigt. Dies kann auch von einer chronischen Muskelverspannung kommen.
Feuchtigkeit auf den Schröpfgläsern ist oft ein Zeichen für innere oder äußere Ansammlung von Feuchtigkeit.

So kann man durch Beobachtung der Schröpfergebnisse wertvolle zusätzliche Informationen über innere Zustände erhalten.

Welche Nebenwirkungen gibt es beim Schröpfen?

• Bei unblutigem Schröpfen: Einblutungen ins Gewebe (Hämatome), die innerhalb von wenigen Tagen resorbiert werden.
• Bei blutigem Schröpfen können oberflächliche Wunden entstehen.
• Spannungsbläschen bei empfindlicher Haut
• Schröpfen im oberen Rücken: leichte Blutdrucksteigerung möglich.
• Schröpfen unterhalb LWK 4: leichte Blutdrucksenkung möglich.

Wann sollte Schröpfen nicht angewendet werden?

• Bei einer Schwangerschaft nicht auf Bauch oder Rücken
• Bei dermatologischen Geschwüren oder auf Ödemen
• Bei hohem Fieber mit Krampfneigung
• Bei bekannter Epilepsie
• Auf großen Arterien oder Venen
• Auf Narben
• Auf Zonen, die mit Tumoren verbunden sind
• Bei Lungentuberkulose

Blutiges Schröpfen sollte nicht angewendet werden bei: Hämophilie (Blutgerinnungsstörungen), Neoplasmen, niedrigem Blutdruck (Hypotonie), anämischen Zuständen, Menstruation, Flüssigkeitsdefiziten, Herzrhythmusstörungen, Koronarinsuffizienz, aber auch bei energetischen Mangelzuständen.

Anwendungsgebiete für das Schröpfen

Schröpfen kann sowohl zur Prävention, als Wellnessbehandlung und zur Leistungsoptimierung angewendet werden. In der Regel wird diese Technik bei konkreten Beschwerden bzw. Schmerzzuständen eingesetzt:

Muskulo-skeletale Schmerzsymptome (Knochen-Muskel-Zusammenspiel)
Hals- und Schulterschmerzen
Schultergelenksschmerzen
Ellenbogenschmerzen
Unterarm- u. Handgelenksschmerzen
Brustschmerzen / Schmerzen im oberen Brustbereich
Schmerzen im oberen Rücken
Schulterblattschmerzen
Schmerzen im unteren Rücken
Oberschenkelschmerzen
Knieschmerzen
Unterschenkelschmerzen
Fußgelenkschmerzen

Beschwerden in der Bauchgegend:
Blähbauch
Verdauungsbeschwerden (Verstopfung oder Durchfall)
Menstruationsbeschwerden
Fertilitätsbehandlung (Unfruchtbarkeit)
Menopausen-Symptome

Beschwerden in der Lunge oder Haut:
Asthma
Akne
Psoriasis
Allergien (saisonal)

Allgemeines Empfinden & Psyche:
Ängste & Stress
Müdigkeit
Schlaflosigkeit

Schröpfen vom Major Pectoralis Muskel ( Akupunkturpunkt Lu-1)

Das Schröpfen auch in der heutigen Zeit Beachtung geschenkt werden sollte, zeigt der Bericht von der Anästesie-ärztin Stephanie Chang aus New York. Ihre (Selbst)-behandlung bei den ersten Anzeichen einer Covid-19 Erkrankung beinhaltete das Schröpfen von dem Areal um den Akupunkturpunkt Lu-1.

Das Behandlungsprotokoll mit Akupunktur und dem gezielten Einsatz von Schröpfköpfen zeigt das praktische Kombinieren dieser beiden Techniken.

Quellen & Studien: Schröpfen

Stephanie I. Cheng: “Medical Acupuncture as a Treatment for Novel COVID-19-Related Respiratory Distress: Personal Experience from a Frontline Anesthesiologist”
Published Online:16 Feb 2021: https://doi.org/10.1089/acu.2020.1467

Claudia Focks (HG): Leitfaden Chinesische Medizin, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; 6. Edition (2010)

Andere Blogbeiträge über das Schröpfen:

Schröpfen und Promis:

https://www.promiflash.de/news/2016/08/11/was-haben-jen-aniston-und-co-mit-schwimmer-phelps-gemeinsam.html

https://www.eonline.com/news/409206/5-celebrity-cupping-fans-jennifer-aniston-gwyneth-paltrow-and-more

Studien

Zwei Reviews (Aktualisierungsstudien) die einzelne Studienergebnisse sammeln und auswerten zeigen vor allem Fortschritte beim Studiendesign und der Ausführung. Hier geht es um Studie bei dernen Schröpfen zur Behandlung akuter u. chronischer Schmerzen evaluiert wurde.

Die Studie mit Edzard Ernst als Co-Autor (von 2011) kam zu dem Entschluss, dass trotz der positiven Ergebnisse, der wissenschaftliche Nachweis aufgrund des Studiendesigns und dem Verzerrungspotential (Bias) bei den Durchführungen sehr gering ist.

7 Einzelstudien wurden ausgewertet.
4 hatten ein hohes Risiko an Verzerrung der Ergebnisse.

Deswegen heißt es lapidar:

“Reliability of evidence is limited.”

Jong-In Kim, Myeong Soo Lee, Dong-Hyo Lee, Kate Boddy, Edzard Ernst, “Cupping for Treating Pain: A Systematic Review”, Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, vol. 2011, Article ID 467014, 7 pages, 2011. https://doi.org/10.1093/ecam/nep035

Die Studie mit Alan Bensoussan als Ko-author hatte einen größeren Umfang:

16 Studien (mit insgesamt 921 Teilnehmern)
6 Studien davon wurden unter der Kategorie „low-level bias of risk“ eingestuft.

Sixteen trials with 921 participants were eligible and included. Six trials were assessed as low risk of bias, another six trials were of unclear risk of bias, and the remaining four trials were of high risk of bias. Pain was related to three acute and seven chronic diseases.

Huijuan Cao and Xun Li and Xue Yan and Nissi S. Wang and Alan Bensoussan and Jianping Liu, “Cupping therapy for acute and chronic pain management: a systematic review of randomized clinical trials”,Journal of Traditional Chinese Medical Sciences,
Volume 1, Issue 1, 2014, pages 49-61. https://doi.org/10.1016/j.jtcms.2014.11.003

Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:

  1. Positiver Effekt des Schröpfens gegenüber der Warteliste bzw. Wärme Therapie ist nachweisbar.
  2. Akupunktur und Schröpfen haben eine bessere Wirkung als nur Schröpfen

„Buddha-Bauch“ und die Rolle des Bauches in der TCM (Blog)

Hast du dich schon einmal gefragt, warum Buddha so einen großen Bauch hat? Oder warum schmale, Qigong praktizierende Chinesen einen vergleichsweise großen Bauch haben? Der Bauch ist ein zentraler Speicherort für Qi, für Lebensenergie.  Viele energetische und spirituelle Praktiken, wie Qigong, Yoga und Pranayama-Atemübungen, aber auch asiatische Kampfsporttechniken behandeln bzw. arbeiten mit dem sogenannten „Hara“, dem unteren Dan Tian (Dantian, Dantien). Der Dantien ist unterhalb des Nabels und stellt den Schwerpunkt des Körpers dar. Er ist auch der Ort, an dem überschüssiges Qi, z.B. nach dem Praktizieren ovn Qigong oder Taiji gespeichert wird. Daher der Buddha-Bauch. Im Daoismus wird der Dantian mit Vitalität, Energie und dem belebenden Geist assoziiert. Warum das so ist, wird anhand der Meridianpunkte, die in der Bauchgegend verlaufen, klar. Mehr dazu weiter unten. In der indischen Tradition sitzt dort das Nabel- und das Nabelnebenchakra, was dem Meridianpunkt Konzeptionsgefäß 6 entspricht. Betrachten wir nun die Rolle des Bauches aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Der Bauch aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin

Der Bauch ist unterteilt in den Unteren Erwärmer und Mittlerer Erwärmer. Der untere Erwärmer sitzt unterhalb des Nabels und kontrolliert Niere, Blase, Leber, Dickdarm und Dünndarm. Zwischen Zwerchfell und Nabel liegt der Mittlere Erwärmer, zuständig für Magen, Milz und Gallenbase. Zwerchfell aufwärts regiert der Obere Erwärmer, der Brustkorb, Lunge und Herz reguliert. Die wichtigsten physiologischen Abläufe im Mittleren Erwärmer sind Verdauung und Transport der aufgenommenen Nahrung und Flüssigkeit, sowie das Reifen, Fermentieren und der Weitertransport der aus der Nahrung gewonnenen Nährstoffe in den Körper. So wird der Mittlere Erwärmer gerne mit einem brodelnden Kochtopf verglichen.

Dagegen ist der Untere Erwärmer zuständig für die Aufspaltung der Nahrungsessenzen in reine und unreine. Letztere werden ausgeschieden. Der Untere Erwärmer hat damit die Funktion eines Drainagesystems, da er auch die Harnausscheidung unterstützt.

Zusammen bilden sie den 3fach-Erwärmer, der als Meridian und Organ nach TCM-Definition bekannt ist. Man muss wissen, dass die in der TCM genannten Organe nichts mit dem physiologischen, anfaßbaren Organ zu tun haben. TCM-Organe haben keine Form, und stellen eher die Zusammenfassung physiologischer Funktionen, sogenannter Funktionskreise dar.  Wenn wir also von Leber- oder Magenmeridian lesen, dann sind damit nicht die physischen Organe gemeint.

Bauch und Akupunkturpunkte

In der Bauchregion finden wir die sogenannten Front-Mu-Punkte oder Alarmpunkte. Warum Alarm? Sie könnten Hinweise auf Störungen bei den zugehörigen Zang-Fu-Punkten geben, sofern sie auf Druck empfindlich reagieren. Die Front-Mu-Punkte liegen alle in der Mitte des Rumpfes bzw. seitlich davon.

Diese Akupunkturpunkte am Unterbauch können bei folgenden Beschwerden eingesetzt werden:

Magen 27 (Daju „Große Macht“), 2 Cun unterhalb des Nabels, unterstützt die Nieren, stabilisiert Essenz-Qi, reguliert und stärkt das Qi. Es wird eingesetzt bei Spannungs- und Völlegefühl im Unterbauch, Dysurie, Harnverhalt, Hernien oder Ejakulationsstörungen.

Ma 30 (Qichong „Ansturm des Qi“) stabilisiert die unteren Körperöffnungen und wird behandelt u.A. bei Schmerzen im Abdomen, Erkrankungen der äußeren Genitalien, Impotenz, Menstruationsstörungen oder Sterilität. Ma 30 ist zudem ein wichtiger Kreuzungspunkt mit dem Chong Mai, der sich aus fünf verschiedenen Energiebahnen zusammensetzt.

Akupunkturpunkte, um Schwächezustände zu behandeln:

Ren 6 (Qihai „Meer des Qi“) sitzt auf dem Sondermeridian Ren Mai oder Konzeptionsgefäß (KG), der in der Körpermitte von unten nach oben verläuft. Er startet im Perineum und endet unterhalb der Unterlippe. Beim Ren 6 sitzt auch das oben erwähnte untere Dantien. Deshalb wird dieser Punkt in der Akupunktur auch bei Qi-Mangel verwendet. Ren 6 stärkt das Yang, tonisiert, reguliert und zirkuliert Qi im ganzen Körper und beseitigt Qi-Stagnationen. Die Relevanz dieses Meridianpunktes zeigt sich auch an der Vielfalt der Indikationen: von Schmerzen im Unterbauch, die durch Kälte verschlimmert werden; starke Erschöpfungszustände, Antriebslosigkeit, mangelnde Willenskraft, mentale Schwäche, Depression, Kälte der Extremitäten, unregelmäßige oder schmerzhafte Menstruation (Dysmenorrhö), Fluor vaginalis, Sterilität, Impotenz, Senkungen oder Erkrankungen der Beckenorgane, chronische Diarrhö (Durchfall), Obstipation, also träge Verdauung oder Verstopfung, und Meteorismus, also Blähbauch oder Blähsucht.

Wie kann es sein, dass ein Punkt im Bauch sich auf die Psyche und den mentalen Zustand auswirkt, die man ja eher im Kopf verortet? Hier hilft ein Blick zur Schulmedizin und dem Vagus-Nerv. Der Vagusnerv ist ein sehr langer Hirnnerv, der vom Hirnstamm durch den Brustbereich entlang der Luftröhre bis in den Bauchraum reicht. Mit seinen insgesamt ca. 100.000 einzelnen Nervenfasern durchzieht er jedes Organ und leitet auch Informationen der inneren Organe an das Gehirn weiter. Somit hat er auch Einfluss auf unsere kognitiven Leistungen. Vielleicht wird jetzt klar, warum Ren 6 auch im medizinischen Qigong und asiatischen Meditationstechniken eine zentrale Rolle spielt.

Ren Mai, der an der Vorderseite in der Körpermitte entlangläuft, hat einen Partner: den Du Mai, auch bekannt als Lenkergefäß oder Gouverneursgefäß, der auf der Rückseite des Körpers entlang der Wirbelsäule verläuft. So können z.B. Rückenschmerzen auch über den Bauch bzw. Ren Mai behandelt werden.

Dai Mai – Gürtelgefäß

Der Dai Mai läuft um die Taille wie ein Gürtel und beinhaltet die Meridianpunkte Leber 13, Gallenblase Gb 28 und Gb 41 sowie Perikard 5. Der Dai Mai verbindet die obere mit der unteren Körperhälfte. Er beseitigt Fülle von Gallenblase und Leber. Außerdem kontrolliert er wie ein Gürtel den Energiefluss der Bein-Meridiane. Indikationen sind u.A.. Migräne und Kopfschmerzen, besonders an den Schläfen, starke innere Anspannung und Gereiztheit; angespannte Schulter-/Nackenmuskulatur, Herpes Zoster, Zystitis und Atemprobleme inkl. Asthma.

Tuina – die manuelle Therapie – und der Bauch

Tuina ist eine chinesische Massageform (Akupressur) und neben Akupunktur, Phytotherapie und Qigong die vierte Säule der Traditionellen Chinesischen Medizin. Für die Behandlung mit Tuina gibt es konkrete Skripte für die Behandlung bei:

  • Allgemeinen Schwächezuständen
  • Rekonvaleszenz / Burnout
  • Verdauungsbeschwerden
  • Menstruationsbeschwerden

Auch bei komplexen Erkrankungen wird der Bauch als „Vitalitätszentrale“ zur Stärkung mitbehandelt, z.B. bei

  • Diabetes
  • Systemischen neurologischen Erkrankungen (Parkinson)
  • Angststörungen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten / Allergien
  • Bauch und Unterbauch immer mitbehandeln bei:
  • Fertilität (männlich u. weiblich)
  • Gynäkologischen Beschwerden (Endometriose, PCOS)

Wenn Sie Fragen haben oder eines der o.g. Beschwerden behandelt haben möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.

Der HP als Garant im Markt der Therapien (Blog)

In der Diskussion über die anstehende Ergänzung des Heilpraktikerrechts und der Veröffentlichung der neuen Leitlinien bis spätestens zum 31.12.2017, wird durch die Publizierung einer Streitschrift von 17 Professoren u. Akademikern (teilweise auch Ärzten, aber keinen Heilpraktikern) mit Logo und dem public-relations fördernden Kunstnamen “Münsteraner Kreis”, die Abschaffung des Heilpraktikers gefordert bzw. eine grundlegende Reform, welche dann nur sektorale Zulassungen erlaubt.

Gefordert werden auch von Heilpraktikeranwärtern ein vorher abgeschlossenes Studium bzw. eine staatlich-geprüfte Berufsausbildung im Gesundheitssektor.

Gutachten zur Situation des Heilpraktikers: Die Basis für eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema

Um der Diskussion den richtigen Rahmen zu geben, empfehle ich vor der Lektüre der Streitschrift das Gutachten von Rechtsanwalt Dr. Rene Sasse. Er beschreibt in kurzer Form:

  • die Rechten u. Pflichten von Heilpraktikern (HP).
  • warum bei so vielen verschiedene Berufen und Gesundheitsdienstleistern, die HP Erlaubnis als Grundlage zur Berufsausübung nötig ist.
  • die Vorteile und politischen Hintergründe, warum die verschiedenen Therapien, die von Heilpraktikern angeboten werden, nicht staatlich kontrolliert werden.

Dazu muss festgehalten werden:

Heilpraktiker praktizieren schon heute unter den gleichen rechtlichen Anforderungen wie Ärzte in Bezug auf Hygiene, Patientendokumentation, Patientenaufklärung, Patientenkommunikation und Praxiseinrichtungskontrolle durch die Gesundheitsämter.

Anmerkungen zum “Herz OP”-Argument

Die Wahl der Therapie bei Heilpraktikern ist durch die Verbote im Heilpraktikergesetz klar eingeschränkt. Der Heilpraktiker hat wie der Arzt eine Sorgfaltspflicht. Das Argument, daß dem HP eine Herz OP erlaubt ist, solange er einen Anästhesiearzt hinzuzieht, ist ein alter (und falscher) Hut.

Der Heilpraktiker und auch der Arzt haben die Pflicht, nur Therapien anzubieten und auszuführen, für die sie ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen. Für den HP der eine Herz OP anbieten will, heißt dies quasi das Absolvieren eines Medizinstudiums. Eine persönlich erforderliche Investition, die sich vom zeitlichen und finanziellen Aufwand schon verbietet.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist diese Argument an den Haaren herbeigezogen. Es gibt keinen Markt für einen Heilpraktiker, der eine Herz OP anbieten möchte.

“It’s innovation, stupid” – Der HP hilft mit der neuen Flut an Therapiemöglichkeiten umzugehen

Der HP hat in Europa eine einzigartige Stellung, die dem deutschen Gesundheitsmarkt hilft, das Angebot von medizinischen Dienstleistungen über die Arbeitserlaubnis zu regeln.

Dies verhindert schon jetzt einen Wildwuchs aus quasi-medizinischen Dienstleistungen von unterschiedlichen Firmen und Freiberuflern, welche die Grenzen von Diagnose u. Therapie verwischen.

Der Markt für diese Dienstleistungen und das Angebot an Therapien (und aus Marketinggründen unterschiedlich beworbener Angebote) wird in Zukunft noch schneller wachsen.

Mit der Abschaffung des HPs wird dieser prosperierende Markt in einer Grauzone weiter wachsen. Das Heilprakitkergesetz, wie es jetzt steht, wird helfen diese Flut an Therapien in einem rechtlich gesicherten Rahmen, den Patienten zugänglich zu machen.

Die Ärzteschaft bzw. der Gesundheitsektor hat gar nicht die Personalresourcen für die Masse an neuen Therapieformen.

Genauso wie in den letzten Jahren Kosmetiker/innen die HP Erlaubnis nutzen, um Laserentfernung von Tätowierungen oder eine kosmetische Behandlung mit rezept-freien Injektionen anzubieten, werden sich weitere Geschäftsfelder auftun.

Der Verteuerungstrend von Therapien – Nutzen & Kosten volkswirtschaftlich betrachtet

Mit der Forderung, daß ein (konventioneller) Gesundheitsberuf wie Krankenschwester, Physiotherapeut oder Masseur als Grundlage für die HP Erlaubnis da sein muss, werden von diesen etablierten Berufsfeldern Kandidaten abwandern. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das eine Resourcenverschwendung. Denn das jetzige Verfahren garantiert ein ausreichendes Grundlagenwissen zum Zeitpunkt der Prüfung, welches dem HP dann erlaubt in die Weiterbildung für das gewünschte Therapieangebot Zeit und Geld zu investieren.

Mehr Vorbedingungen bedeuten das Anhäufen von kostspieligen Doppelqualifikationen, die dann bei der eigentlichen Ausführung der Behandlung keine Rolle mehr spielen. Die Kosten dieser Doppelqualifikation führen nicht zu einer besseren Behandlung bzw. sicheren Therapieanwendung, sondern eher zu einem Anstieg der Preise, die Patienten und bei krankenkassen-finanzierten Angeboten die Gemeinschaft der Mitglieder für eine Therapiestunde bezahlen müssen.

Die Forderung nach immer höheren Qualifikationen für Therapien, die sich seit Jahrhunderten bewehrt haben, und ganz konkret bei Therapien wie der Akupunktur, wo z.B. ein konventionelles Medizinstudium ein zuviel an nicht-ausführungsrelevanten Wissen bedeutet, verteuern den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen wie Chinesische Medizin.

Schlussendlich sind, um das am Beispiel der Akupunktur festzumachen, das Wissen über die Theorie der Chinesischen Medizin, das praktische Training und die dann über Jahre eigenständig erarbeitete klinische Erfahrung ausschlaggebend und nicht der auch aus volkswirtschaftlicher Sicht teure Medizinstudiengang des Behandlers.

Klinische Erfahrung heisst nämlich hier die Erfahrung in der Behandlung mit Akupunktur und nicht die Erfahrung mit der Behandlung durch pharmazie-gestützte Medizin.

Der Gegenvorschlag: Zentrales Register aller Einverständniserklärungen der Patienten

Wenn die Ärzteschaft sich Gedanken über die Unvereinbarkeit oder ein erhöhtes Riskio von Therapien macht, dann ist es sinnvoller, ein zentrales Register für Einverständniserklärungen zu fordern.

In diesem Register sollten für jeden Patienten, seine jeweilige Einverständnis und deren Aufklärungsbogen registriert werden. Damit lässt sich dann – mit Einverständnis des Patienten – ersehen, welche Therapien wann und wo eingesetzt wurden.

Dieses Register sollte alle Einverständniserklärungen sammeln irrespektive ob von Ärzten, Heilpraktikern oder anderen Gesundheitsdienstleistern, bei denen eine schriftliche Einverständnis zu Grunde liegen muss.

Das Register musss alle Therapiearten beinhalten. Ob ärztlich angeboten, evidenz-basiert, naturheilkundlich oder spirituell sowie auch solche, die als “esoterische” Behandlungen gelten.

Erst mit so einem Register kann die Ärzteschaft in vollem Umfang ermessen, welche weitere evidenz-basierte Zuwendung oder Beratung für den Patienten von Vorteil ist.

Ein Zusatzeffekt: Neu auf den Markt kommende Therapien können nun besser beobachtet werden. Falls dann Regulierungsbedarf besteht, hat man eine Grundlage, wie viele Patienten und Anbieter es betrifft.

Quellen:
Kurzgutachen von RA Dr. Rene Sasse über die Situaton des HPs
Die Streitschrift des Münsteraner Kreises

 

Ein Akupunkturprotokoll für Schmerzen nach Zahnimplantate OP (Blog)

Hier ist ein Behandlungsprotokoll von einem Fallstudie in dem Journal of Acupuncture and Meridian Studies  über eine 56 jährige Patientin, die nach einer Zahnimplantation der Zähne 36 und 37 Schmerzen und Taubheit im Unterkiefer bekam.

Die Region der Taubheit ging von der Unterlippe bis auf Höhe von Zahn 36. Der Schmerz befand sich in der Region des Zahnes 35 (der Einstichstelle für die Betäubung).

Lokale und ferne Akupunkturpunkte für Schmerzen nach einer Implantations OP

Die Patientin bekam 1 x wöchentlich über 4 Monate (insgesamt 16 Behandlungen).

Folgende Punkte wurden genadelt:
Di 4, Di 11, Ma 36, Le 3, Ma 5 und EHN 18 (Extrapunkt 1 Cun von Ren 24)

  • Di 4 und Di 11 wurden für ihre entzündungshemmende Wirkung auf das Gesicht gewählt.
  • Ma 36 wurde aus konstitutionellen Gründen gewählt.
  • Le3 hat eine Fernwirkung auf den Kopf.
  • Ma 5 und EHN 18 sind lokale Punkte.

Reduzierung der Schmerzen, der Taubheitsgefühle und der Taubheitsregion mit Akupunktur

Die Schmerzen waren um 50% nach der ersten Sitzung zurückgegangen und nach der 5 Sitzung ganz beseitigt.

Die Taubheitsgefühle liessen sich nach der ersten Sitzung um 70% reduzieren, nach der 13. Sitzung waren sie um 95% reduziert.

Nach der 10. Behandlung hatte sich der Taubheitsbereich stark verkleinert. Der verkleinerte Bereich veränderte sich dann nicht mehr und war auch beim Checkup nach 12 Monaten noch vorhanden.

Quelle: Crischina Branco Marques Sant’Anna’ et.a.: Effect of Acupuncture on Post-implant Paresthesia: JAMS April 2017 Volume 10, Issue 2, Pages 131–134

Open Access:
DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.jams.2017.01.004
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Ein Behandlungsprotokoll mit Akupunktur und Moxa bei Reizdarmsyndrom mit Durchfällen (IBS-D, ICD-10 K58.0) – (Blog)

Dieser Vorschlag eines Behandlungsprotokolls wurde nach den STRICTA Richtlinien erstellt und ist somit um einiges präziser als viele andere Studien in Bezug auf die Akupunkturtechnik. Die STRICTA Empfehlungen verlangen genaue Angaben in Bezug auf die Ausführung der Akupunktur: Welche Nadeln, welche Technik, Reihenfolge des Nadelns, Verweildauer etc.

Die Daegfa hat damals (2001) die Tabellen übersetzt und kommentiert. Inzwischen (seit 2010) ist STRICTA nun eine offizielle Ergänzungen zu CONSORT, den allgemeinen Richtlinien für die Berichterstattung bei randomisierten, kontrollierten Studien / Versuchen.

Offizielle STRICTA Übersetzungen gibt es ins Chinesische, Koreanische und Russische.

Allgemeines zum Behandlungsprotokoll für das Reizdarmsysndrom (RDS)

Die Versuchsreihe für das vorgeschlagene Protokoll beinhaltet 3 Gruppen:

  1. Ein festglegtes Protokoll von 14 Nadeln
  2. Eine Basisbehandlung mit 2 zusätzlich auswählbaren Punkten (max 14 Nadeln)
  3. Sham Akupunktur: Nadelstichtiefe nur 2 bis 3 mm unter die Haut und Punkt in abgestimmter Entfernung zu den eigentlichen Akupunkturpunkten

NB. Wichtig bei der Sham Akupunktur zu erwähnen ist, dass Stephen Birch klar herausgearbeitet hat, dass Sham Akupunktur kein Placebo darstellt, und dass somit in solchen Versuchsreihen einfach 2 unterschiedliche Akupunkturstile verglichen werden.

Alle Patienten wurden 12 x behandelt:

  • 2 x die Woche über 4 Wochen danach 1 x die Woche über 4 Wochen
  • Die Behandler entschieden nach ihrem Ermessen welchen Punkte tonisierend und welche ausleitend genadelt wurden.

NB. In der Veröffentlichung vertauschen die Autoren, die Atemtechnik beim tonisierenden und ausleitenden Nadeln. Standard TCM Lehrbücher über Nadeltechnik berichten übereinstimmend. Der Patient sollte beim tonisierenden Nadeln ausatmen, wenn die Nadel gestochen wird und einatmen beim rausziehen. Das Atmen beim ausleitenden Nadel erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.

Die Stichtiefe bei der Verum Akupunktur ist nicht angegeben, sollte aber den Standard TCM Textbüchern entsprechen (0.5 bis 1.5 Cun).

Patienten werden zuerst auf dem Rücken liegend genadelt. Nach 15 Minuten werden die Nadeln gezogen und dann erfolgt die Moxibustion mit bis zu 2 Minuten und im Uhrzeigersinn kreisend pro Punkt . Die Entfernung der Moxazigarre von der Haut ist mit 2 bis 3 cm angeben.

Für die Rückenpunkte wird der Patient dann in Bauchposition genadelt und gemoxt.

Standard Behandlungsprotokoll beim Reizdarmsyndrom mit Durchfall

Ren 6, Ren 12, Ma 25, Mi 4, Bl 18, Bl 20, Bl 23, Bl 25 mit Akupunktur und Moxibustion

Mi 4 und Bl 18 nur Akupunktur

Das individualisierte Behandlungsprotokoll

Ren 6, Ren 12, Ma 25, Bl 23, Bl 25 + mindesten 2 bis 6 weitere Punkten aus der Liste, die zur Behandlung der folgenden TCM Syndrome hinzugenommen werden:

    • Milz und Mage Qi Leere
    • Milz Qi Leere mit Feuchtigkeit
    • Milz Yang Leere
    • Nieren Yang Leere
    • Leber Qi Stagnation
    • Eingeschlossene kalte Feuchtigkeit
    • Eingeschlossene feuchte Hitze
    • Verdauungsträgheit (Retention of food)

Die dazugehörigen Punkte sind in Tabelle 1 angegeben.

Sham Akupunktur / Sham Moxa Protokoll

Die Punkte für die Sham Akupunktur liegen 2 bis 3 cm entfernt von den echten Punkten und befinden sich nicht auf einer Leitbahn.

Zur Sham Moxibustion wird die Moxazigarre 20 cm über den Körper und die Sham Punkte gehalten.

Quellen:

Anastasi, Joyce K. et al. Development of Acupuncture and Moxibustion Protocol in a Clinical Trial for Irritable Bowel Syndrome Journal of Acupuncture and Meridian Studies , Volume 10 , Issue 1 , 62 – 66   Direkter Link

MacPherson H, Altman DG, Hammerschlag R, Youping L, Taixiang W, White A, Moher D. Revised STandards for Reporting Interventions in Clinical Trials of Acupuncture (STRICTA): Extending the CONSORT Statement. PLoS Med 2010; 7(6): e1000261. doi:10.1371/journal.pmed.1000261    Direkter Link

CONSORT Guidelines:  Direkter Link

Der Eintrag auf der DÄGFA Webseite:  Direkter Link

Bücher:

Prof. Chang Xiaorong: Needling Techniques for Acupuncturists, Singing Dragon, 2011

Liu Yuan: Nadelstichtechniken in der Akupunktur, Urban & Fischer, 2006

Ein Akupunktur- und Tuina-protokoll zur Behandlung von Regelschmerzen – Dysmenorrhoe (Blog)

Hier ein Beispiel an Behandlungsprokollen für die Behandlung von Zyklusbeschwerden bei derAkupunktur (nach der TCM) und Tuina kombiniert worden sind.

Die 60 Teilnehmmerinnen an der Studien waren Frauen im Alter von 14 bis 29 Jahren (Durchschnittsalter 21 Jahre u. 5 Monate)

Vorweg sei zu sagen, daß diese Veröffentlichung (für den englischsprachigen Raum) viele Informationen weglässt und aus Sicht der wissenschaftlichen Forschung zu den (chinesischen) Publikationen gehört, die stark kritisiert werden.

Folgende Merkmale wiegen zunächst negativ:

  • Beteiligung von minderjährigen Patientinnen
  • Sehr hohe Erfolgsraten in der Testgruppe, sowie der Kontrollgruppe
  • Veröffentlichung entspricht nicht den heutigen (2017) Maßtäben der wissenschaftlichen Berichterstattung von Studien

Doch wenden wir uns nun den eigentlichen Roh-diamanten zu dem Behandlungsprotokoll:

Akupunktur u. Tuina der Testgruppe

Benutzte Akupunkturpunkte waren zunächst: Bl40, Du26, Du3.

Zusätzliche wurden die Patientinnen drei unterschiedliche TCM Syndrommustern zugeordnet:

  1. Mit Qi Stagnation und Blut Stase: Ren3, Ren6, Mi6, Le2 und Mi 10
  2. Stagnation durch pathogene Kälte: Ren4, Bl20, Bl23
  3. Leere von der Zang Leber und Niere:  Du4, Ren4, Bl23,Ni12 und Ma36

Das Tuina Behandlungsprotokoll

Auf dem Bauch liegend:

3 Min Gun Fa zur Entspannung der paravertebralen Muskulatur
3 Min Yi Zhe Chang um die innere Blasenleitbahn zu behandeln

Auf der Seite liegend mit 90 Grad angewinkelten Beinen:

An Rou mit dem Ellbogen von der oberen Schulterblatthälfte entlang über die Ansätze der 12 Rippe an der Wirbelsäule.

Folgende Stellen wurden behandelt: T3,5,7,9 und L1,3,5 jeweils 2 Cun über den Wirbelfortsätzen.

Die Druckkraft sollte noch von der Patientin tolerierbar gewesen sein. Jeder Punkt wurde 30 mal behandelt und dann kam ein zweiter Durchgang. Beide Seiten links und rechts der Wirbelsäule wurden behandelt.

Dann wieder auf dem Bauch liegend:

Nie mit dem Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger auf der Wirbelsäule (in der Studie fehlt die Anweisung ob dieser Handgriff parallel oder im 180 Grad Winkel zur WS angewandt wird).

Behandlung des unteren Rücken:

Tan Bo und Tui im unteren Lendelwirbelbereich

Akupunktur für die Kontrollgruppe

Akupunktur: Ren6, Mi8, Mi6
Moxibustion: Ren4, Ma36, Bl20 und Bl23

Die Behandlungsdauer lief über 3 Monate mit jeweils 7 aufeinanderfolgenden Behandlung pro Monat. Die erste Behandlung erfolgte 1 Woche vor Eintreten der Menstruation.

Kommentar: Die Umschreibungen im Englischen sind aufgrund der Übersetzung vom Chinesischen ins Englische bzw. aufgrund der Englishkenntnisse der Autoren nicht eindeutig einigen Techniken zuzuordnen.  Hier habe ich den aus meiner Sicht dazupassenden technischen Begriff gewählt.

Quelle: J Tradit Chin Med. 2008 Mar;28(1):7-9.
Acupuncture combined with spinal tui na for treatment of primary dysmenorrhea in 30 cases.

Science Direct von Elsevier: Direkter Link

Kniearthrose: Moxibustion vs. Diclofenac (Blog)

Folgendes Moxibustions Protokoll wird für Kniearthrose vorgeschlagen:

  • Standardakupunktur punkte: Ma 35, Ma 36 und EX-LE4
  • Entfernung des brennenden Moxa vom Punkt 1 cm
  • Moxabrenndauer ca. 30 min insgesamt
  • Alle 3 Punkte wurden individuell gleichzeitig gemoxt.

Insgesamt gibt es 3 Sitzungen pro Woche über 4 Wochen (12 Behandlungen).  Die Lagerung des Patienten erfolgt nach Wunsch. Der Patient liegt oder wird gemoxt.

Blog Kommentar:
Praktische Ausführung aufgrund der langen Behandlungsdauer muss mit Moxabox erfolgen (für Ma 35 und EX-LE4) und dann einer zweiten Moxabox bzw. einem Moxazigarrenhalter für Ma 36.

Quellenangaben:

Titel der Studie:
Moxibustion versus diclofenac sodium gel for the treatment of knee osteoarthritis: a study protocol for a double-blinded, double-placebo, randomised controlled trial

Internet:  BMJ Open. 2017 Apr 12;7(4):e012879. doi: 10.1136/bmjopen-2016-012879

Interdisziplinärer Ansatz

Krankheiten und Symptome betrachte ich nicht isoliert. Für eine dauerhafte Verbesserung der Gesundheit spreche ich mit meinen Patienten auch über ihre berufliche und familiäre Situation sowie Sport, Erholung und Freizeit.

Meine Patienten profitieren auch von einem Netzwerk von Kollegen, die sich auf andere Therapien spezialisiert haben wie:

  • Kräutertherapie mit der TCM
  • Ernährungsberatung nach der TCM
  • Shiatsu
  • Laborzentrierte Diagnose
  • Orthomolekulare Medizin
  • Hypnosetherapie
  • Entspannungs- und Bewegungsübungen auf Basis der TCM: Qigong, Taiji und Sundao

Behandlungsserien

In chinesischen Spezialkliniken, die Patienten mit TCM behandeln, kommen externe Patienten 2 Wochen lang für tägliche Behandlungen in die Klinik. Danach erfolgt eine 3-wöchige Pause, bevor eine weitere Behandlungsserie angesetzt wird.

Ich biete eine ähnlichen Dienstleistung an, weil ich damit meine Patienten durch einen intensiveren Veränderungs- und Heilungs-prozess begleiten kann.

Dieses Angebot richtet sich an:

  • Patienten mit Erschöpfungssyndrom und abgeklärter ärztlicher Diagnose.
  • Patienten mit anstehendem Termin oder Termindruck – wie Prüfungszyklen, Jobinterviews, Gerichtstermine
  • Patienten mit Arbeits- oder Lebens-situationen mit starker akuter Beanspruchung – Sportwettkampfserien, Projektarbeit, Trennungen, Langzeitpflege von Familienmitgliedern.
  • Patienten mit anstehenden Operationen oder Therapiezyklen (z.B. Chemotherapie).